Die kalte Jahreszeit steht vor der Tür…. Du beginnst mit dem Training und noch bevor du richtig angefangen hast, schwitzt dein Pferd bereits. Jetzt ist Vorsicht geboten! Schnell hat es sich jetzt verkühlt und wird krank. Das Pferd zu Scheren ist eine Entscheidung, die je nach Beanspruchung getroffen werden sollte. Wird das Pferd zum Beispiel nur alle paar Tage mal leicht bewegt oder ins Gelände geritten, sollte es nicht geschoren werden. Ist das Pferd aber geschoren, muss es in der Box und während der Zeit, in der es nicht bewegt wird, mit einer Decke vor der Kälte geschützt werden.

 

Ein geschorenes Pferd überhitzt beim Reiten nicht so schnell und ist leistungsbereiter. Dennoch solltest du aufpassen, dass dein Vierbeiner immer mit einer Stall- oder Outdoordecke und beim Reiten mit einer Abschwitzdecke geschützt ist.

Achte hier bitte darauf, dass sie dick genug und die Feuchtigkeit gut aufgenommen wird.

Wann sollte ich scheren?

  • Das Pferd wird mehrmals die Woche geritten und ist nach dem Reiten durchgeschwitzt
  • Das Pferd schwitzt bereits im Stall
  • Das Fell ist so dick, dass es sich kaum noch pflegen lässt
  • Das Pferd schwitzt bereits bei geringer Belastung stark oder wird sogar müde
  • Das Pferd hat dichtes Fell und braucht sehr lange bis es wieder trocken ist

Vorbereitung

Wenn du dein Pferd scheren willst, solltest du dir dafür mindestens zwei Stunden Zeit nehmen. Vorallem beim ersten Mal oder wenn das Pferd unruhig ist, sind 4 Stunden sicherer. Dann kannst du gegebenenfalls auch mal Pausen einlegen. Am günstigsten ist ein Zeitpunkt zu dem das Pferd ruhig und vielleicht etwas müde ist wie abends nach dem Füttern. Dann ist das Pferd satt und entspannt. Direkt nach dem Reiten ist es nicht günstig, das Pferd zu scheren, da sich das feuchte Fell kaum scheren lässt.

Stell dein Pferd an eine ruhige Stelle, wo du es sicher anbinden kannst und eine Steckdose in der Nähe ist.
Leg alles bereit, was du brauchst: Schermaschine, Schermaschinen-Öl, ein Verlängerungskabel und eine Bürste, um zwischendurch die losen Haare abzubürsten.
Zieh dir Kleidung an, an welcher die Haare nicht so gut haften bleiben können. Die abgeschorenen Haare hängen sich in den meisten Stoffen fest und jucken dann ganz fürchterlich. Daher wähle am besten als oberste Schicht möglichst glatte Kleidung. Besonders ungeeignet sind Fleece- oder Woll-Pullover.

Das richtige Muster

Bevor du ein Haar scherst, solltest du dir sicher sein, welches Muster du scheren möchtest. Ob du dein Pferd komplett von Kopf bis Fuß scherst, was nur anzuraten ist, wenn es wirklich in einem warmen Stall steht, oder nur am Hals bis zur Flanke. Varianten gibt es hier viele. Dies solltest du je nach Bedürfnis entscheiden, was für dein Pferd am gesündesten ist. Folgende Varianten sind möglich:

  • Streifenschnitt: Der sparsamste Schnitt. Nur die Stellen, die am meisten schwitzen werden abgeschoren: die Halsunterseite, die Brust, der Bauch und ein Streifen an der Hinterhand. Bei warmen Wetter kann dein Pferd mit diesem Schnitt auch ohne Decke raus und benötigt nicht zwingend eine Abschwitzdecke beim Reiten. Nur an kalten Tagen solltest du eine Decke auflegen. Besonders geeignet für Pferde im Offenstall.
  • Deckenschnitt: Hier kommt bereits deutlich mehr Fell runter. Nur das Fell am Kopf, an den Beinen sowie der Sattellage, dem Rücken und der Kruppe bleiben stehen. Durch den freien Hals und Bauch schwitzt das Pferd bei leichter bis normaler Arbeit kaum und der empfindliche Rücken bleibt warm geschützt.
  • Hunterschnitt (Schabrackenschnitt): Hier bleibt nur das Fell am Kopf, an den Beinen und in „Schabrackenform“ auf der Sattellage stehen. Der Rest wird geschoren. So schwitzt das Pferd auch bei starker Anstrengung nur wenig. Dennoch braucht es so mehr Schutz vor der Kälte und Wind und sollte auf jeden Fall eingedeckt werden.
  • Komplettschur: Dies sieht man meist nur bei Pferden, die auch im Winter hart arbeiten und auf Turniere müssen. Lediglich das Fell ums Maul und an den Ohren bleiben bestehen. Tasthaare rund ums Maul und Augen dürfen nicht geschoren werden! Das Pferd muss bis auf die Zeit unter dem Sattel immer warm eingepackt sein.

Solltest du dir mit dem Muster nicht sicher sein und lieber vorbeugen, dass es auch so wird, wie es sein soll, ist es sehr hilfreich mit Tafelkreide die Schurlinie auf das Pferd zu malen. Somit fällt es dir bestimmt leichter.

Sicherheit und Ruhe

Achte immer darauf, dass dein Pferd nicht auf das Kabel der Schermaschine tritt und gegebenenfalls noch einen Stromschlag bekommt. Eventuell hilft dir ein Gürtel, an den du einen großen Karabiner befestigst und das Kabel dort einhängst, sodass es nicht auf dem Boden schleift.

Um ein ordentliches Ergebnis zu erhalten, solltest dein Pferd sauber und trocken sein. Ist es nass oder dreckig lässt es sich nur schwer scheren und schadet zusätzlich dem Messer der Schneidemaschine.
Schalte die Schermaschine erstmal etwas weiter weg von deinem Pferd an, sodass es sich an das Geräusch gewöhnen kann und ruhig bleibt. Wird es nervös, kann auch ein Radio sehr hilfreich sein um es von dem Geräusch abzulenken.

Fahre nun zuerst mit der Hand langsam über die Stelle bevor du die Maschine ansetzt und achte auf die Reaktion. Bleibt es ruhig, kannst du loslegen.
Um unschönen Muster vorzubeugen, solltest du immer in gleichmäßigen, möglichst langen Bahnen gegen die Wuchsrichtung des Fells scheren. Lass die Bahnen einige Milimeter überlappen beim Scheren, so entgehst du unschönen Kanten. Stehengebliebene Fellreste kannst du nach und nach beseitigen. Die großen Flächen lassen sich relativ schnell scheren. Die meiste Zeit wirst du an Stellen wie zwischen Bein und Bauch oder zum Kopf hin benötigen.
Lässt sich eine Stelle nur schwer scheren, drehe den Winkel etwas, meist geht es so wieder leichter.
Da das Pferd am Anfang meist noch am Ruhigsten steht, solltest du mit dem Hals von hinten nach vorne hin anfangen. Sobald dieser Teil geschoren ist, kannst du zum Beispiel ein Heunetz hinhängen, da dein Pferd dann beim Fressen wahrscheinlich viel ruhiger stehen wird. Auch auf das Ölen der Maschine solltest du zwischendurch immer wieder achten und lose Haare am Pferd abbürsten, da dies den Schervorgang sehr erleichtert.
Falls der Kopf unbedingt mitgeschoren werden sollte, beachte bitte, dass du die Tasthaare um das Maul herum sowie der Augen auslässt. Diese dienen dem Pferd zum Schutz.
Für ein ordentliches Bild reicht es allerdings bereits aus, die langen Haare am Unterkiefer mit einer Schere zu stutzen.

Nach dem Scheren

Bereits während dem Scheren, aber spätestens direkt nach dem Scheren, solltest du deinem Partner eine Decke auflegen um es zu schützen. Der fehlende Schutz durch das eigene Fell, wird jetzt durch eine Winterdecke ausgeglichen.
Vor und nach dem Reiten solltest du als Deckenersatz eine Abschwitzdecke auflegen. Diese schützt vor dem Auskühlen und nimmt Schweiß auf und leitet diesen von der Haut weg. Sobald das Pferd wieder seine normale Temperatur erreicht hat und nicht mehr schwitzt, leg die Winterdecke wieder auf.

Wir wünschen dir viel Spaß beim Reiten und einen gesunden Winter.

Hier kannst du dir alles nochmal ganz genau ansehen: